Storyclash hat im Rahmen einer “Social Media Impact”-Studie 180 Millionen Facebook-Reaktionen von US-Bürgern zur Präsidentschaftswahl ausgewertet, um daraus eine Prognose für den Wahlausgang abzuleiten. Als Datenbasis dienten dabei 2.186 Artikel, die zur Präsidentschaftswahl erschienen sind. Zieht man dabei alle Auswertungsergebnisse heran, so führt Hillary Clinton momentan mit 53% aller Facebook-Interaktionen gegenüber Donald Trump, der sich mit 47% knapp geschlagen geben muss.

Was sind Facebook-Interaktionen?

Auf Facebook können User bekanntlich bestimmte Reaktionen zu Artikeln abgeben, ob nun Likes (bzw.  “Love”, “Angry”, “Wow”, “Ha-Ha”, “Sad”), Shares oder Kommentare. Diese Reaktionen werden gemeinhin als Facebook-Interaktionen zusammengefasst. Storyclash hat in US-Medien insgesamt 2.186 Artikel zur Präsidentschaftswahl, welche von März 2015 bis November 2016 erschienen sind, als Datenbasis für eine detaillierte Analyse hergenommen und ausgewertet. Dabei hat sich herausgestellt, dass 72% der 2.186 Artikel zumindest 50.000 Interaktionen verbuchen konnten, vier Artikel kamen sogar auf über eine Million Interaktionen. Insgesamt konnten so über 180 Millionen Interaktionen den Kandidaten zugeordnet werden. Zum Vergleich: Bei den letzten US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2012 gaben insgesamt knapp 129 Millionen Bürger[1] ihre Stimme ab. Natürlich können die Facebook-Interaktionen nicht als individuelle Wählerstimmen betrachtet werden, denn in der Regel äußern sich auf Facebook politisch aktive User nicht nur zu einem einzigen Artikel. Dennoch offenbart die große Anzahl an Facebook-Interaktionen zur US Wahl den hohen Grad an zumindest geringfügig politischer Aktivität breiter Bevölkerungsschichten in sozialen Netzwerken. Einschränkend ist anzumerken, dass durch die Studie von Storyclash nur die Meinungen erfasst werden, die auf Facebook geäußert wurden. Mit über 153 Millionen aktiven Nutzern über 20 Jahre[2] sind aber über 65% aller Wahlberechtigten[1] US-Bürger auf Facebook.

Analysiert man die Anzahl der Artikel zur Präsidentschaftswahl bezüglich der politischen Lager, so kann hier ein knapper Vorsprung Donald Trumps verzeichnet werden. Ganze 964 Artikel (44,1%) sind als pro-Trump zu werten, während „nur“ 945 Artikel (43,2%) Clinton zuzuordnen sind. 277 Artikel (12,7%) konnten nicht eindeutig zugeordnet werden. Ein ganz anderes Bild ergibt sich jedoch bei der wesentlich relevanteren Gesamtzahl an Facebook-Interaktionen: 95,3 Millionen pro-Clinton Interaktionen (52,8%) stehen lediglich 85,0 Millionen pro-Trump Interaktionen (47,2%) gegenüber.

Wahlprognose_Trump_Hillary

Gegen Ende des Wahlkampfs stellten sich die beiden Kandidaten den Wählern in drei TV-Debatten. Die erste Debatte am 26. September avancierte mit ungefähr 84 Millionen Zusehern zur erfolgreichsten amerikanischen TV-Debatte aller Zeiten. Nicht nur in den Analysen der meisten Polit-Experten, sondern auch was die Interaktionen auf Facebook anbelangt, ging Clinton in der ersten Debatte als klare Siegerin hervor. Am Tag nach der Debatte verbuchten Clinton-Artikel über 3,35 Millionen Interaktionen, Trump-Artikel jedoch nur rund 1,14 Millionen Interaktionen. Die zweite Debatte wiederum konnte Trump auf Facebook mit rund 53,4% aller Interaktionen am Folgetag knapp gewinnen. Die dritte und letzte TV-Debatte wurde in beiden Lagern weniger stark rezipiert, der Sieg um die Interaktionen ging jedoch abermals eindeutig an Clinton.  

Interaktionen im Zeitraum der TV-Debatten:

Bedeutung für den Wahlkampf

Betrachtet man die Gesamtzahl der Interaktionen, lassen sich mehrere Trends im Verlauf des Wahlkampfs herauskristallisieren. Während Clinton Anfang April noch knapp 66% aller kumulierten Interaktionen für sich verbuchen konnte (siehe Beginn der blauen Linie in der Grafik unten), schmolz ihr Vorsprung in den Folgemonaten sukzessive dahin. So trennten die beiden Kandidaten am 1. Juni gerade einmal 4,8%. In der ersten Julihälfte gelang es dem demokratischen Lager allerdings wieder, deutlich an Interaktionen hinzugewinnen, wobei Clinton am 12. Juni erneut 57,6% aller kumulierten Interaktionen auf sich ziehen konnte. Diese vermeintliche Trendwende fand jedoch bald darauf ein jähes Ende, denn die zweite Junihälfte und die ersten Juliwochen standen ganz im Zeichen Trumps. Am 22. Juli gelang es Trump, Clintons Vorsprung in den kumulierten Facebook-Interaktionen auf 0,85% zu reduzieren. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten (Abstand geringer als 2,2%) währte jedoch gerade einmal 18 Tage, denn im August zog Clinton erneut davon. Bemerkenswerterweise lag Trump ab August auch in den meisten Umfragen klar auf dem zweiten Platz hinter Clinton.

 

Kumulierte Interaktionen im Zeitverlauf. Die Ähnlichkeit zu anderen Umfrage-Barometern zeigt die Relevanz dieser Social Media Analyse:

Anhand der Ergebnisse der durchgeführten Studie lässt sich gut ablesen, welch immense Bedeutung die sozialen Netzwerke inzwischen in der heutigen Gesellschaft eingenommen haben. So ist es auch kein Wunder, dass die Politik immer häufiger soziale Plattformen wie Facebook als politische Bühne für sich nutzt, um nicht Tausende, sondern Millionen von Menschen zu erreichen. Anhand des diesjährigen US Wahlkampfes und den damit zusammenhängenden 180 Millionen Interaktionen lässt sich zudem gut erkennen, dass sich die sozialen Netzwerke längst als ernstzunehmender Stimmungsbarometer etabliert haben. Die Social Media Trends auf Facebook und Co. können dabei als Gesamtheit von Millionen einzelner Individuen verstanden werden, die die Ansichten einer immer breiter werdenden Bevölkerungsschicht widerspiegelt.

 

Über Storyclash:
Storyclash ist ein Social Media Monitoring Tool und zeigt live, welche Wirkung Inhalte in den sozialen Netzen haben. Medien und Unternehmen können in Echtzeit beobachten, welche Postings der eigenen Seite oder von Mitbewerbern am häufigsten von Nutzern auf Facebook und Twitter geteilt, geliked und kommentiert werden. Zusätzlich erkennt die Software innerhalb von Minuten virale Beiträge der ganzen Welt und zeigt, auf welche Trends schnell reagiert werden sollte. So kann ein Maximum an Reichweite in den sozialen Netzwerken erzielt werden.

Hier gibt es weitere politische Analyse und Politiker Rankings

Text: Lukas Huber & Manuel Brosch

[1]: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahlbeteiligung#USA
[2]: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/370814/umfrage/anzahl-der-monatlich-aktiven-facebook-nutzer-in-den-usa/

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