Am 4. Dezember findet die Wiederholung der Stichwahl der Bundespräsidentenwahl statt. Storyclash hat aus diesem Anlass 6,2 Millionen Facebook-Interaktionen von exakt 1.000 Posts zur Präsidentschaftswahl ausgewertet und damit eine Stimmungsanalyse im sozialen Netzwerk erstellt. So läuft die Social Media Präsidentenwahl!

Facebook ermöglicht es seinen Usern bekanntlich, jeden geposteten Inhalt zu kommentieren und zu teilen sowie zu eben jenem Inhalt Reaktionen (“Love”, “Angry”, “Wow”, “Haha”, “Sad”) abzugeben. Diese Reaktionen können unter dem Sammelbegriff “Facebook-Interaktionen” zusammengefasst werden. Als Datenbasis für eine detaillierte Analyse zur Präsidentschaftswahl hat Storyclash insgesamt 1.000 Artikel aus österreichischen Medien und von offiziellen Facebook Accounts ausgewertet. Im Zuge der Analyse konnten dabei 586 Artikel den beiden Kandidaten klar zugeordnet werden.

Social Media Präsidentenwahl: Hofer führt bei der Aktivität, Van der Bellen bei den Reaktionen

Fokussiert man sich auf den Zeitraum nach dem aufgehobenen zweiten Wahlgang, liegt Hofer bei den Interaktionen in der Social Media Präsidentenwahl um Haaresbreite voran. Hofers 1.26 Millionen Interaktionen (50,7%) stehen Van der Bellens 1,22 Millionen Interaktionen (49,3%) im gleichen Zeitraum gegenüber. Der Blick auf die Ergebnisse in den einzelnen Reaktionen offenbart ein spannendes und facettenreiches Bild. So liegt Hofer unter anderem bei den Comments (53,1%) und Shares (59,3%) vorne, muss sich jedoch etwa bei den Likes und “Loves” Van der Bellen geschlagen geben, der hier 50,9% beziehungsweise 57,8% aller entsprechenden Reaktionen verbuchen konnte. Allerdings hat der ehemalige Grünen-Chef auch bei den negativen Reaktionen wie „Sad“ und „Angry“ die Nase vorn, wie nachfolgend zu sehen ist.

Aufteilung der Facebook Reaktionen (ab 23. Mai):

Aufteilung der Facebook Reaktionen (ab 23. Mai)

Die Bedeutung der Medien

Storyclash ist der Frage nachgegangen, welche österreichischen Medien besonders häufig über einen der beiden Kandidaten berichtet haben und hat daraus ein aussagekräftiges Ranking erstellt. In nachfolgender Grafik sind dabei jene Medien aufgelistet, welche für die meisten Interaktionen in Bezug auf Norbert Hofer verantwortlich sind, welche also besonders häufig über seine Person berichtet haben. Auffallend hierbei ist vor allem die Schützenhilfe von Heinz-Christian Strache, dessen Facebook-Seite sich für die meisten Interaktionen – noch vor jener von Hofer selbst – verantwortlich zeigt.

Norbert Hofer – Top 5 Interaktionen (in %):
Social Media Präsidentenwahl in Österreich 2016!

Bei Alexander Van der Bellen findet man hingegen eine etwas breiter gefasste Berichterstattung vor. Dadurch sind auf folgendem Graphen auch mehr relevante Medien vertreten. Während Norbert Hofers Top Five 90,6% all seiner Interaktionen ausmachen, summieren sich diese bei seinem Konkurrenten Van der Bellen auf “nur” 73,0%. Dieser wiederum war in der Social Media Präsidentenwahl sehr auf seinen offiziellen Account angewiesen; 46,2% aller VdB-Interaktionen kamen von hier.

Alexander Van der Bellen – Top 10 Interaktionen (in %):
Van der Bellen in der Social Media Präsidentenwahl Österreich 2016!

Wie ist die Stimmung im Land?

Im Folgenden werden nun die einzelnen Reaktionen der Österreicher auf jene Artikel betrachtet, welche die Bundespräsidentenwahl zum Thema hatten. Aufgrund dieser Reaktionen kann die allgemeine Stimmung im Land sehr gut eingefangen werden. Die Reaktion “Angry” , welche in der Regel eine besonders emotionale und meist stark ablehnende Haltung ausdrückt, findet besonders bei Beiträgen Heinz-Christian Straches überproportional häufig Verwendung, wie unten deutlich zu sehen ist: 59,8% aller Angry-Reaktionen, welche Hofer zugeordnet wurden, gehen auf das Konto des offiziellen Accounts des freiheitlichen Bundesparteiobmanns.

Norbert Hofer – Top 3 Reaktionen (in %):

Norbert Hofer – Top 3 Reaktionen (in %)

Hingegen verbucht Van der Bellens offizielle Seite – relativ gesehen – auffällig wenig Angrys, wie in nachstehender Grafik zu sehen. An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass eben gerade die Angry-Reaktion mehrere Deutungsmöglichkeiten zulässt. So kann sich das Angry zwar durchaus gegen den Verfasser des Beitrags richten, User hinterlassen jene Reaktion jedoch auch häufig, um ihrer Empörung über einen im Beitrag geschilderten Missstand Ausdruck zu verleihen.

Alexander Van der Bellen – Top 3 Reaktionen (in %):

Alexander Van der Bellen – Top 3 Reaktionen (in %)

Interaktionen im Zeitverlauf

Betrachtet man nun die Interaktionen im Zeitverlauf – beginnend ab Juni 2016 – so ergibt sich ein spannendes Bild bezüglich der beiden Kandidaten für die Hofburg (siehe unten). So hatte Norbert Hofer von Juni bis August die Nase vorn, wobei sein Vorsprung sukzessive dahingeschmolzen ist. In den Monaten September und Oktober konnte hingegen Alexander Van der Bellen mehr Interaktionen für sich verbuchen. Bis zum Stichtag der Datenmessung am 23. November hatten beide Kandidaten etwa gleich viele likes, shares und Kommentare, jedoch spricht das Momentum derzeit klar für Van der Bellen.

Interaktionen im Zeitverlauf:

Interaktionen im Zeitverlauf

Kumuliert man nun jene Interaktionen, die seit dem Folgetag der aufgehobenen Wahl vom 22. Mai zustande gekommen sind, so ergibt sich folgendes Bild. Es ist klar zu erkennen, dass sich Hofer über den Sommer 2016 einen teils komfortablen Vorsprung herausarbeiten konnte, den er trotz Verluste im Herbst bis Ende November halten konnte.

Interaktionen kumuliert (ab 23. Mai):

Interaktionen kumuliert (ab 23. Mai)

In untenstehender Grafik sind abermals kumulierte Interaktionen zu sehen, dieses Mal beginnend mit dem Datum des VfGH-Urteils zur Wahlwiederholung (1. Juli). Da es sich um die gleichen Daten wie in obiger Darstellung handelt, nehmen die beiden Graphen auch die gleichen Verläufe, dieses Mal jedoch reicht der Vorsprung von Norbert Hofer nicht mehr aus, sodass er von Alexander Van der Bellen gegen Ende Oktober überholt wird.

Interaktionen kumuliert (ab 1. Juli):

Interaktionen kumuliert (ab 1. Juli)

Wer zieht in die Hofburg ein?

Ein eindeutiger Favorit kann aufgrund der vorliegenden Daten nicht ausgemacht werden. So ändert sich der Sieger der Facebook-Interaktionen je nachdem, welcher Ausgangspunkt gewählt wird. Dies symbolisiert zugleich den erneut sehr knappen Ausgang der Social Media Präsidentenwahl. Verdeutlicht wird dies noch durch folgende Grafik, bei der einmal Norbert Hofer (gewertet ab 23. Mai) mit 50,7% und einmal Alexander Van der Bellen (gewertet ab 1. Juli) mit 51,6% als Sieger hervorgeht. Nimmt man also die totale Menge an Interaktionen als Gradmesser heran, so behält Hofer knapp die Oberhand. Betrachtet man hingegen das Momentum der vergangenen Wochen, so spricht dieses klar für Van der Bellen.

Facebook Interaktionen in %:

Facebook Interaktionen in %

Anschließend an diese Stimmungsanalyse haben wir auch eine konkrete Wahlprognose für die Bundespräsidentenwahl erstellt. Ergebnis dieser Wahlprognose ist, dass Van der Bellen bereits im November auf Facebook als Bundespräsident fest stand.

Über Storyclash:
Storyclash ist ein Social Media Monitoring Tool und zeigt live, welche Wirkung Inhalte in den sozialen Netzen haben. Medien und Unternehmen können in Echtzeit beobachten, welche Postings der eigenen Seite oder von Mitbewerbern am häufigsten von Nutzern auf Facebook und Twitter geteilt, geliked und kommentiert werden. Zusätzlich erkennt die Software innerhalb von Minuten virale Beiträge der ganzen Welt und zeigt, auf welche Trends schnell reagiert werden sollte. So kann ein Maximum an Reichweite in den sozialen Netzwerken erzielt werden.

Text: Manuel Brosch & Lukas Huber

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